Durchfall und Erbrechen bei Kindern
Wenn Kinder erbrechen und Durchfall haben – was Eltern wirklich wissen sollten
Eine akute Magen-Darm-Infektion („Gastroenteritis“) gehört zu den häufigsten Erkrankungen im Kindesalter. Besonders Säuglinge und Kleinkinder sind betroffen. Die meisten Infektionen werden durch Viren ausgelöst und heilen innerhalb weniger Tage von selbst aus. Entscheidend ist vor allem, einen Flüssigkeitsmangel rechtzeitig zu vermeiden.
Dieser Beitrag orientiert sich an der aktuellen S2k-Leitlinie „Akute infektiöse Gastroenteritis im Säuglings-, Kindes- und Jugendalter“ der AWMF und der Gesellschaft für Pädiatrische Gastroenterologie und Ernährung.
Typische Symptome einer Magen-Darm-Infektion
- plötzlich auftretender Durchfall
- Erbrechen
- Bauchschmerzen
- Fieber
- Appetitlosigkeit
- Müdigkeit
Erbrechen dauert meist 1–3 Tage, Durchfall häufig 5–7 Tage, manchmal auch länger.
Das Wichtigste zuerst: Flüssigkeit ersetzen
Die größte Gefahr bei einer Gastroenteritis ist die Austrocknung (Dehydratation).
Warnzeichen können sein:
- trockene Lippen und trockener Mund
- eingesunkene Augen
- wenig Urin / trockene Windeln
- Teilnahmslosigkeit
- starke Müdigkeit
- kalte Hände und Füße
- fehlende Tränen beim Weinen
Besonders Säuglinge können rasch Flüssigkeit verlieren.
Was hilft bei Erbrechen?
Kleine Mengen sind besser als große
Viele Kinder erbrechen sofort wieder, wenn sie zu viel trinken. Deshalb gilt:
- alle 1–2 Minuten kleine Schlucke anbieten
- am besten teelöffelweise
- langsam steigern
Die Leitlinie empfiehlt ausdrücklich, auch bei Erbrechen eine orale Rehydrierung zu versuchen.
Was sollte getrunken werden?
Am besten geeignet sind sogenannte orale Rehydratationslösungen (ORS) aus der Apotheke. Diese enthalten die richtige Mischung aus:
- Wasser
- Zucker
- Elektrolyte (Salze)
Sie gleichen Flüssigkeits- und Salzverluste deutlich besser aus als Wasser allein.
Was eher ungeeignet ist
- Cola
- Limonaden
- reine Fruchtsäfte
- Energydrinks
- stark zuckerhaltige Getränke
Diese können den Durchfall sogar verstärken.
Was hilft bei Durchfall?
Weiter essen ist erlaubt – und sinnvoll
Früher wurden strenge Diäten empfohlen. Heute weiß man:
Nach Beginn der Flüssigkeitszufuhr dürfen Kinder rasch wieder normal essen.
Geeignet sind zum Beispiel:
- Kartoffeln
- Reis
- Nudeln
- Brot
- Banane
- Zwieback
- milde Kost
Stillen soll unbedingt fortgeführt werden. Säuglingsnahrung muss meist nicht gewechselt werden.
Medikamente gegen Durchfall?
Die Leitlinie rät von vielen (frei) verkäuflichen Mitteln gegen Durchfall wegen mangelnder Evidenz ab:
- Kohle
- Tannin
- Gelatine
werden aktuell aufgrund unzureichender Datenlage nicht empfohlen.
Auch Probiotika werden inzwischen nicht mehr generell empfohlen.
Racecadotril (Handelsname „Hidrasec“) kann zur Therapie bei Durchfall bei ausgeprägten Symptomen verschrieben werden.
Loperamid („Durchfallblocker“) soll bei Kindern nicht eingesetzt werden.
Medikamente gegen Erbrechen?
Die meisten Kinder benötigen keine Medikamente gegen Übelkeit.
Der Wirkstoff Ondansetron kann bei starkem Erbrechen im Einzelfall hilfreich sein, insbesondere wenn das Trinken sonst nicht gelingt. Die Anwendung erfolgt jedoch ärztlich und individuell abgewogen. Es wird jedoch mit einer QT-Verlängerung und schweren Herzrhythmusstörungen in Verbindung gebracht und von der FDA und der Europäischen Arzneimittelagentur mit Warnhinweisen versehen.
Dimenhydrinat (Handelsname „Vertirosan“) wird bei Gastroenteritis nicht empfohlen, da sich keine Verbesserung der Rehydrationsrate und des klinischen Outcomes gegenüber Placebo ergab. Der sedierende Effekt des Dimenhydrinats erschwert auch die orale Flüssigkeitszufuhr.
Die orale Verabreichung von Ingwer wird als wirksam und sicher für eine Verbesserung des Erbrechens bei Kindern empfohlen.
Wann sollte ein Kind ärztlich untersucht werden?
- Trinkverweigerung
- Zeichen der Austrocknung
- Blut im Stuhl
- starken Bauchschmerzen
- hohem Fieber
- sehr häufigem Erbrechen
- Bewusstseinsveränderungen
- Säuglingen unter 2 Monaten
- sehr kranken oder chronisch kranken Kindern
Auch wenn Eltern „ein ungutes Gefühl“ haben, sollte das Kind vorgestellt werden.
Müssen Antibiotika gegeben werden?
In den meisten Fällen: nein.
Die meisten Magen-Darm-Infektionen werden durch Viren verursacht. Antibiotika helfen dann nicht und können Nebenwirkungen verursachen. Sie sind nur in speziellen Situationen sinnvoll.
Kann man vorbeugen?
- gründliches Händewaschen
- eigene Handtücher verwenden
- Flächen reinigen
- ausreichend trinken
- Rotavirus-Impfung im Säuglingsalter
Die Rotavirus-Impfung kann schwere Verläufe deutlich reduzieren.
Fazit für Eltern
Die wichtigste Therapie bei Erbrechen und Durchfall ist die frühe und konsequente Flüssigkeitszufuhr. Kleine Mengen in kurzen Abständen wirken oft besser als große Trinkmengen. Orale Rehydratationslösungen sind dabei die beste Wahl.
Die meisten Kinder erholen sich innerhalb weniger Tage vollständig. Entscheidend ist, Warnzeichen einer Austrocknung früh zu erkennen.