Virale vs. bakterielle Infektionen im Kindesalter
Infektionen sind bei Kindern im Vorschul- und Schulalter sehr häufig und meist harmlos – aber nicht alle Erreger sind gleich! Die Unterscheidung zwischen viralen und bakteriellen Infektionen ist wichtig, weil sie über Therapien entscheidet.
Was sind Viren?
- Viren sind winzige Krankheitserreger, die keine eigenen Stoffwechselprozesse haben.
- Sie dringen in Körperzellen ein und nutzen diese, um sich zu vermehren.
- Die meisten Erkältungen, grippale Infekte, Bronchiolitis oder Gastroenteritiden werden durch Viren verursacht.
Was sind Bakterien?
- Bakterien sind lebende Mikroorganismen mit eigenem Stoffwechsel.
- Manche Bakterien können Krankheiten verursachen, wie z. B. bakterielle Mittelohr- oder Wundinfektionen, Scharlach oder bestimmte Pneumonien.
Etwa 80–85 % aller Infekte im Kindesalter sind viral, nur ein kleinerer Teil (ca. 10–15 %) bakteriell.
Unterschiede bei den Symptomen:
Virale Infektionen
- Häufige grippale Symptome: laufende Nase, Husten, Halsschmerzen
- Oft Fieber für einige Tage
- Symptome verbessern sich meist innerhalb einer Woche
- Kein direkter Nutzen von Antibiotika
Bakterielle Infektionen
- Plötzlicher Beginn mit starkem Fieber
- Symptome können sich verschlechtern statt bessern
- Lokale Eiterungen, starke Schmerzen (z. B. beim Hören → Mittelohr) oder charakteristische Ausschläge
- Hier kann man den Einsatz von Antibiotika erwägen
Die Symptome allein reichen aber oft nicht aus, um eindeutig zwischen virus- und bakterienbedingter Erkrankung zu unterscheiden – deshalb sind ärztliche Befunde und ggf. Schnelltests wichtig.
Therapie: Was hilft wirklich?
Virale Infektionen
- Kein Antibiotikum – weil Antibiotika gegen Viren nicht wirken.
- Behandlung ist symptomatisch:
- Fiebersenken bei Bedarf
- Viel trinken
- Ruhe und Zeit
- Viren „arbeiten“ mit dem Immunsystem; der Körper bekämpft sie meist erfolgreich selbst.
Bakterielle Infektionen
- Antibiotika können lebenswichtig sein, wenn eine bakterielle Ursache sicher ist oder stark vermutet wird.
- Beispiele: bakterielle Pneumonie, Scharlach mit Nachweis von Streptokokken, komplizierte Mittelohrentzündung.
- Die Auswahl des Antibiotikums, Dauer und Dosierung orientieren sich an aktuellen Leitlinien wie denen der DGPI (z. B. „so kurz und so schmal wie möglich“).
Warum Antibiotika nicht leichtfertig einsetzen?
❌ 1. Kein Nutzen bei viralen Infekten
Antibiotika wirken nur bei bakteriellen Infektionen – nicht bei Viren. Sie helfen dem Kind nicht schneller gesund zu werden, wenn es z. B. eine Erkältung oder Grippe hat.
❌ 2. Nebenwirkungen
Gerade bei Kindern können Antibiotika Nebenwirkungen wie Bauchschmerzen, Durchfall oder Hautreaktionen haben. In Studien berichteten viele Eltern (über 40 %) über unangenehme Effekte bei ihren Kindern.
❌ 3. Resistenzen entstehen
Zu häufige oder unsachgemäße Antibiotika-Gabe begünstigt die Entstehung von antibiotikaresistenten Bakterien. Das bedeutet: Wenn ein Kind später wirklich eine schwere bakterielle Infektion bekommt, wirkt das Antibiotikum vielleicht nicht mehr.
❌ 4. Einfluss auf die normale Mikrobiota
Antibiotika stören auch die guten Bakterien im Darm und an anderen Körperstellen – das kann langfristig das Immunsystem und die Gesundheit negativ beeinflussen.
Deshalb empfehlen aktuelle Leitlinien eine kritische und strenge Indikationsstellung:
Nur wenn wirklich medizinisch nötig – und so gezielt wie möglich.
Wann ist der Arztbesuch besonders wichtig?
Bitte kontaktieren Sie den Kinderarzt oder die Kinderärztin, wenn:
✔️ das Fieber länger als 3 Tage anhält
✔️ das Kind sich stark abgeschlagen oder verwirrt verhält
✔️ Symptome schlechter werden
✔️ Atemnot, Schluckbeschwerden oder starke Ohrenschmerzen auftreten
Eine ärztliche Einschätzung hilft, die richtige Therapie – ob Antibiotikum, Abwarten oder symptomatische Behandlung – zu wählen.
Kurz zusammengefasst
✅ Virale Infekte sind viel häufiger als bakterielle.
✅ Antibiotika wirken nur bei Bakterien.
✅ Die Entscheidung für Antibiotika sollte strikt und leitliniengerecht erfolgen.
✅ Übermäßiger Einsatz schadet durch Nebenwirkungen und Resistenzbildung.